Geschichte

Luftperspektive
Luftperspektive Gemälde L. Kegel 1890

In den Jahren 1839-1842 gründete der Kaufmann Friedrich Ludwig Tenge auf dem Gelände des Holter Jagdschlosses eine Eisenhütte. Ausgerüstet mit einem Hochofen, drei Kupolöfen, einer Maschinenfabrik, einem Emaillierwerk und einer Schleiferei nahm die Hütte 1842 die Produktion auf. Die Voraussetzung für den Betrieb der Eisenhütte waren die Raseneisenerzvorkommen in der Umgebung. Der Holter Forst lieferte die notwendige Holzkohle, der am Schloss vorbeifließende Ölbach die Energie für zwei oberschlächtige Wasserräder, die die Gebläse der Öfen und die Werkzeugmaschinen antrieben. Später umfasste der weitläufige Komplex der Hüttenanlage 22 ineinander verschachtelte Gebäude. Dazu gehörten auch Wohnungen für Angestellte und Arbeiter. 1966 stellte die Hütte den Betrieb ein. Die Produktpalette der Holter Eisenhütte war ausgesprochen vielseitig: Sägegatter und landwirtschaftliche Geräte wie Göpel und Häcksler gehörten ebenso dazu wie Teigknetmaschinen für Bäckereien, Mühlenanlagen, Gussteile für Glashütten und Maschinenteile für Papierfabriken.

Sparhaerd
Sparherd

Eine Spezialität der Holter Eisenhütte waren die so genannten Sparherde, von denen allein im Jahre 1908 ca. 10 000 Stück verkauft wurden. In zahlreichen Haushalten standen die seit 1891 produzierten ‚Reichskochöfen’.

Der Beginn der Industrialisierung und des wirtschaftlichen Aufschwungs

Die Bedeutung der Holter Eisenhütte für die industrielle Entwicklung
der heutigen Stadt Schloß Holte-Stukenbrock und ihre kulturelle und wirtschaftliche Infrastruktur kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Werk war damals die einzige Eisenhütte zwischen Hamm und Hannover. Auf dem Gebiet des heutigen Kreises Gütersloh ist die Gesamtanlage der Holter Hütte der älteste Gewerbebetrieb.
Die gewerblichen Aktivitäten der Tenges haben entscheidend dazu beigetragen, dass sich bitterarme Sennedörfer zu einer der wohlhabendsten Kommunen im Kreis Gütersloh entwickeln konnten. Grund genug, diese einzigartige Entwicklung museal zu präsentieren, zumal eine Eisenhütte im Vorfeld zu einem Schloss ein gewisses Alleinstellungsmerkmal darstellt.