Alte gräfliche Ziegelei – Evangelischer Friedhof

Hier am Gluckweg in unmittelbarer Nähe der Versöhnungskirche stand einst die gräfliche Ziegelei zur Holte. Schon im 17. Jahrhundert wurde der Geschiebelehm im Boden des Holter Waldes
abgebaut, den die letzte Eiszeit hier hinterlassen hat. Er wurde zu Backsteinen geformt und in einem ‚Tegeloffen‘ (Ziegelofen) gebrannt. Der älteste Nachweis stammt aus dem Jahre 1672. Später wurde ein Tegelteich (Ziegelteich) angelegt, der auch als Fischgewässer diente. Den Wald um den Ziegelofen nannte man damals ‚Ziegelofenrevier.‘ Die Ziegelei zur Holte lieferte in großem Umfang Ziegel und Dachpfannen für die Bauten der Residenzstadt Rietberg, so für das Rietberger Schloss, für das Haus Münte, für Teile des Franziskanerklosters, für die Stadtmühle und die
Johanneskapelle.

Auch für die 1746-1748 gebaute Kirche St. Maria Immaculata in Kaunitz hat die Ziegelei zur Holte 10.710 Stück Dachpfannen zum Preis von 107 Reichstaler geliefert.
Im Siebenjährigen Krieg ruhte der Ziegeleibetrieb von 1757 – 1763. Soldaten der in Paderborn stationierten königlich-französischen Armee stahlen Backsteine aus dem Vorrat der Holter Ziegelei für ihre Backöfen. Die Ziegelöfen und Trockenhäuser wurden mehrmals komplett erneuert, so 1764, 1791 und 1805. Abnehmer der Ziegelsteine und Dachpfannen waren nach dem Siebenjährigen Krieg unter anderem die die Bauern der Grafschaft Rietberg. Zudem wurde fortlaufend für die Reparatur der herrschaftlichen Gebäude der Grafschaft produziert. Auch die neue Verler Kirche St. Anna erhielt 1796 für die Bedachung 16.300 Stück ‚platte Pfannen und 5.000 Hohlpfannen‘. Der letzte Pächter der Holter Ziegelei war Franz Pott (1814 bis 1817) . Danach wurde die Ziegelei stillgelegt. An einigen Stellen im Holter Wald findet man heute noch alte Lehmstiche.

Mit dem Kauf der Grafschaft Rietberg im Jahre 1822 hatte Friedrich Ludwig Tenge auch die Gebäude der Ziegelei erworben. Über eine weitere Nutzung oder den späteren Abriss ist nichts bekannt. Das zur Ziegelei gehörende sogenannte ‚Ziegeleiland‘ wurde nach dem Bau der Holter Eisenhütte 1842 überwiegend an Arbeiter der Hütte verpachtet.

Evangelischer Friedhof
Hier am Rande der Tenge-Siedlung direkt neben der Versöhnungskirche liegt der alte evangelische Friedhof. Mit dem Bau der Holter Eisenhütte kamen auch evangelische Arbeiter und Angestellte mit ihren Familien nach Liemke. Ihnen stellte Carl Friedrich Tenge 1865 eine Parzelle im Holter Wald für einen ‚Privat-Kirchhof für die evangelischen Einwohner auf Schloß Holte‘ zur Verfügung, der von der Königlichen Regierung Detmold 1866 genehmigt wurde. Bis 1910 wurde hier bestattet. Es war der erste Friedhof in der Gemeinde Liemke. Ein katholischer Friedhof wurde erst 1920 angelegt, bis dahin wurden Katholiken in Kaunitz beerdigt. Im Laufe der Jahrzehnte verfielen die Grabstätten. Ihre eisernen Kreuze, die auf der Holter Eisenhütte gegossen worden waren, wurden in den 1960er Jahren gestohlen. Das große alte Friedhofskreuz wurde später entfernt und durch ein metallenes ersetzt. Sechs Grabsteine sind noch vorhanden. Die Inschriften sind nur schwer zu entziffern.

 

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